Berufung? - Berufung!

Zum Jahr der Orden haben wir Mutter Bonaventura, Generaloberin der Grazer Elisabethinen um ein paar Gedanken zu „Berufung gebeten“.

„Berufung ist eine ganz persönliche, ganz tiefe Begegnung zwischen Gott und Mensch.“ Dabei geht es nicht zuerst um eine Beauftragung zu einer bestimmten Aufgabe. Vor jedem Auftrag kommt die sehr persönliche Begegnung mit Gott. In allen Erzählungen des alten und neuen Testaments steht nicht zuerst ein Auftrag, sondern eine Begegnung. Gott ruft etwa dem Mose aus dem brennenden Dornbusch zu und nennt ihn bei seinem Namen, das heißt er kennt ihn. Gott, dessen Wort die Welt erschuf, sie erhält, er tritt in seine Schöpfung ein, um seinem Geschöpf dem Menschen ganz konkret zu begegnen. Diese Begegnung beschreibt Mutter Bonaventura so: „Gott spricht mich unverdient, das heißt ohne dass ich etwas vorleisten muss, an: Komm – du sollst ein mitliebender Gottes werden!“

Berufung ist also zunächst Geschenk. Geschenk einer tiefen Begegnung. Begegnung mit dem Gott der Liebe. Diese Begegnung passiert nicht einmalig oder in spektakulärer Erscheinung, sie ist – wie auch eine Gottesbegegnung des Alten Testaments sagt – in einem leisen Flüstern, das Aufmerksamkeit braucht, durch die Geräuschkulisse des Alltags hindurch. Sie ist beständig: Immer neu sucht Gott die Begegnung mit dem je einzelnen Menschen. Diese Berufung zum Sein vor Gott wird jeden Tag neu geschenkt. Jeden Tag aufs Neue bleibt dieses Angebot Gottes offen für meine Antwort: Gott lässt mir Freiheit und Entscheidungsfreiraum. Er ist ein wartender, geduldiger. „Die Antwort auf diese Berufung durch Gott ist mein ständiges Bemühen um Blickkontakt mit ihm“, beschreibt Sr. Bonaventura die Antwort auf den Ruf Gottes, den Sie und tausende andere Ordensfrauen und Ordensmänner in ihrem Leben geben. „So oft ich über die Berufung nachdenke, danke ich Gott und bin zutiefst berührt von der Erwählung Gottes. Das Herz geht über!“



Teilen |



Zurück